Die Co-Präsidentinnen Eva Suhner (l.) und Sarah Spichtig blicken positiv in die Zukunft des Tierschutzvereins Steckborn. Bild: Nico Wrzeszcz
07.11.2025 08:26
Tierschutzverein Steckborn ist so breit aufgestellt, wie lange nicht
Heutzutage hat so gut wie jeder Verein Schwierigkeiten, Mitglieder zu finden oder Vorstandspositionen zu besetzen. Ganz anders sieht die Lage beim Tierschutzverein Steckborn aus. Hier gibt es mittlerweile eine Warteliste für Plätze im Vorstand.
Steckborn Erst vor kurzem konnte der Tierschutzverein Steckborn expandieren und hat die Verantwortung für drei weitere Gemeinden übernommen: Schlatt, Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen. Gesamthaft betreut der Tierschutzverein Steckborn ein Gebiet von 14 Gemeinden. «Der Verein ist somit gewachsen, uns haben jedoch Personen für die Ressortbetreuung gefehlt. Also haben wir in den Gemeindeblättern Werbung geschalten und dabei sehr viel Rücklauf erhalten», erzählen die Co-Präsidentinnen Eva Suhner und Sarah Spichtig. Erst im April haben die beiden das Co-Präsi-dium übernommen, inklusive der dafür nötigen Statutenänderung.
Wohl der Tiere im Vordergrund
Die Aktion, Vorstandsmitglieder zu finden, war ein Riesenerfolg. «Unser Ziel war es, die vakanten Positionen zu besetzen. Jetzt gibt es sogar eine Warteliste. Wir wollten damit auch den Verein nach aussen präsentieren und aktiv auf Mitgliedersuche gehen», so die Co-Präsidentinnen. Dabei sei jedoch immer wichtig, tier- wie auch menschenlieb zu sein. Schliesslich gehe es im Verein hauptsächlich um den regelmässigen Umgang mit Tieren. «Wir betreiben quasi Tierschutzarbeit direkt am Tier. Wir haben eine Meldestelle, die wird telefonisch und per Mail betreut. Für uns ist es wichtig, dass wir wirklich jeder Meldung nachgehen.» Die Arbeit und Betreuung der Tiere verteile sich auf die Ressorts Katzen, Hunde, Nutztiere, Zootiere. Jedes Ressort werde von ein bis zwei Personen betreut. Allen voran das Ressort Katzen nehme immer sehr viel Zeit in Anspruch. «Aktivhelfer fahren hier unter anderem Tiere von A nach B, etwa wenn Katzen eingefangen oder zum Tierarzt gebracht werden müssen.» Viel Arbeit passiere aber im Hintergrund, wie die Verwaltung der Homepage, der Social Media-Accounts oder der Mitglieder.
Der Tierschutzverein Steckborn ist aber nicht nur zuständig, um bei Missständen zu unterstützen. «Man kann sich auch bei uns melden, wenn man aus diversen Gründen sein Tier abgeben will. Wir arbeiten auch mit privaten Pflegestellen zusammen», so Eva Suhner und Sarah Spichtig. In Fällen mit Wildtieren funktioniere die Zusammenarbeit mit der kantonalen Jagd- und Fischereiaufsicht sowie der Kantonspolizei sehr gut. Diese seien froh, wenn der Tierschutzverein aufgeboten werden könne.
Viel Zeit im Ehrenamt
Während Vorstandssitzungen, die etwa einmal im Monat stattfinden, oder übers Jahr verteilte Anlässe eher wenig Zeit in Anspruch nehmen, sind es die Meldungen per Mail, die grossen Aufwand verursachen. «Im Jahr erhalten wir rund 500 Anfragen und Meldungen. Wir selbst investieren etwa zwei bis vier Tage im Monat, meist sogar eher mehr», so Suhner und Spichtig. Genauso wenig lasse sich sagen, welche Jahreszeit am stressigsten ist. «Jede Jahreszeit hat andere Schwerpunkte. Das Frühjahr und der Herbst wird meist von Wildkatzen und ihrem Nachwuchs eingenommen, im Sommer und Winter stehen die Nutztiere im Fokus, entweder durch die Hitze im Sommer oder die Kälte im Winter. Gegen Sommerende und Herbstanfang liegt der Fokus zudem noch auf den Igeln.»
Wer sich beim Tierschutzverein engagieren möchte, sollte sich in der Tierschutzverordnung auskennen. Vieles komme einfach auch durch «learning by doing». «Besonders wichtig ist jedoch, dass man Zeit mitbringt. Wer sich um die Meldestelle kümmert, sollte flexibel und gut erreichbar sein.
Sarah Spichtig ist mittlerweile seit vier Jahren beim Tierschutzverein Steckborn aktiv und damals durch eine Anzeige darauf aufmerksam geworden. Eva Suhner hingegen steht schon seit etwa 15 Jahren für den Tierschutzverein im Einsatz und war bereits etwa acht Jahre lang Präsidentin. «Dann ging ich in Mutterpause. Durch fehlende Zeit, dieses Amt alleine auszuführen, kamen Sarah und ich auf die Idee, im Co-Präsidium dem Verein vorzustehen. Der Vorstand war direkt davon überzeugt» , so Eva Suhner.
Finanziell auf solidem Weg
Finanziert werde der Verein hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge sowie über Spenden oder Legate. «Für den Verein läuft es finanziell gut, auch wenn wir im Jahr ein verkraftbares Minus verzeichnen. Durch die Planung des kantonalen Tierschutzzentrums sind wir aber auch froh um einige Reserven, sollen solche Projekte am Ende doch nicht an den mangelnden Finanzen scheitern», so die Co-Präsidentinnen. Dazu kämen hohe Tierarztrechnungen, die die Finanzen zusätzlich belasten. Der Verein werde aber vom Schweizer Tierschutz unterstützt und auch die Gemeinden können dem Verein einen Fixbetrag bezahlen. «Im Gegenzug übernehmen wir alle Gemeindefälle der Tierrettung ohne zusätzlichen Kosten. Sollte die Gemeinde im Jahr weniger Fälle melden, als sie uns bezahlt hat, bleibt der Restbetrag beim Verein als Spende. Im Gegenzug verlangt der Verein keine Zusatzzahlung, sollten mehr Fälle gemeldet werden, als die Gemeinde gezahlt hat.»
Beide Co-Präsidentinnen hätten schon besondere Fälle erlebt, etwa eine Katze, die nach einem dreiviertel Jahr wieder ihrem Besitzer gebracht werden konnte oder Hühner, die tot im Wald aufgefunden wurden. «Das grösste Tierleid ist das unsichtbare Leid. Denn wir können als Verein nicht in die privaten Räume blicken. Gerade Kleintiere leiden oft unter zu engen Käfigen. In diesem Bereich sind wir als Verein jedoch machtlos.
Von Nico Wrzeszcz