Am Mittwoch wurde die Leiche einer 40-jährigen Ukrainerin in Buchackern - Gemeinde Erlen - gefunden.
13.07.2026 10:46
Wenn das eigene Dorf zum Tatort wird
Gemeindepräsident Thomas Bosshard über den tödlichen Vorfall in Buchackern
Der Tod einer 40-jährigen Ukrainerin erschüttert Buchackern, Gemeinde Erlen. Die Frau wurde am Mittwochnachmittag leblos in einem Wohnhaus an der Schocherswilerstrasse gefunden. Für Erlens Gemeindepräsident Thomas Bosshard bedeutet der Fall nicht nur eine Nachricht aus der eigenen Gemeinde. Er war während der polizeilichen Untersuchung selbst vor Ort.
«Bei einer solchen Untersuchung und einer Hausdurchsuchung muss eine Amtsperson der jeweiligen Gemeinde anwesend sein», erklärt Bosshard. Er kenne diese Aufgabe bereits und wisse, dass dabei Zurückhaltung gefragt sei. «Ich halte mich jeweils etwas im Hintergrund.» Er stehe zur Verfügung, wenn er gebraucht werde, überlasse die eigentliche Arbeit aber vollständig der Polizei und den Ermittlungsbehörden.
Unberührt lässt ihn ein solcher Einsatz dennoch nicht. «Es geht einem nahe. Man darf es aber auch nicht zu nahe an sich herankommen lassen», sagt Bosshard. Als Gemeindepräsident müsse er seine Aufgabe wahrnehmen und gleichzeitig einen Weg finden, mit den Bildern und Eindrücken umzugehen.
Am Mittwoch war gegen 16.30 Uhr bei der Kantonalen Notrufzentrale die Meldung eingegangen, dass die Frau nicht zur Arbeit erschienen sei. Die ausgerückten Einsatzkräfte fanden die 40-Jährige tot in ihrem Wohnhaus. Aufgrund der Situation vor Ort und der ersten Erkenntnisse gehen die Strafverfolgungsbehörden von einem Tötungsdelikt aus.
Ein 53-jähriger deutscher Staatsangehöriger, der sich beim Eintreffen der Polizei ebenfalls im Haus befand, wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete eine Strafuntersuchung wegen vorsätzlicher Tötung. Die genaue Todesursache wird durch das Institut für Rechtsmedizin abgeklärt. In welcher Beziehung der Mann zur Verstorbenen stand und was sich im Haus ereignet hat, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Im Dorf kaum bekannt
Die getötete Frau stammte aus der Ukraine und lebte mit Schutzstatus S in der Schweiz. In der Umgebung war sie kaum bekannt, erfuhr Bosshard, als er mit den Nachbarn sprach. Man habe sich gegrüsst und verabschiedet, darüber hinaus habe es offenbar wenig persönlichen Kontakt gegeben. Es sei bei einem «Grüezi und Adieu» geblieben., gibt Roman Bosshard das Gesagte wider.
Gerade in einem kleinen Ort wie Buchackern fällt ein solcher Fall besonders auf. Wo sonst der Alltag ruhig verläuft, standen plötzlich Polizeifahrzeuge, Ermittlerinnen und Ermittler sowie die Spurensicherung im Einsatz. Ein Wohnhaus wurde zum Tatort, während im Dorf viele Fragen offenblieben.
Auch Bosshard erhält von der Polizei keine weitergehenden Informationen. «Die Polizei gibt mir nicht mehr Antworten als anderen», sagt er. Dass die Ermittlungsbehörden während eines laufenden Verfahrens zurückhaltend kommunizieren müssten, könne er nachvollziehen. Für einen Gemeindepräsidenten sei die Situation trotzdem schwierig.
Auch für ihn sei es eine ungewöhnliche Situation, vor Ort als Amtsperson anwesend zu sein und danach dennoch kaum mehr zu wissen als die übrige Bevölkerung. Er trage eine Verantwortung für die Gemeinde, könne aber viele Fragen nicht beantworten.
Die Mutter reist nach Erlen
Heute, Freitag, wird die Mutter der getöteten Frau aus der Ukraine in Erlen erwartet. Bosshard möchte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. «Ich versuche, sie noch zu treffen», sagt er.
Er möchte der Mutter persönlich sein Mitgefühl aussprechen und abklären, ob die Gemeinde sie in dieser schweren Situation unterstützen kann. Für Bosshard gehört auch diese menschliche Seite zum Amt. Es gehe nicht nur darum, bei einer Durchsuchung als offizieller Vertreter der Gemeinde anwesend zu sein. Ebenso wichtig sei es, danach für die Menschen da zu sein, die von einem solchen Ereignis unmittelbar betroffen seien.
Thomas Bosshard kann der Mutter keine Antworten auf die noch offenen Fragen geben und ihren Verlust nicht lindern. Er kann aber zuhören, Anteil nehmen und ihr zeigen, dass sie in Erlen nicht allein gelassen wird.
Erinnerungen an einen früheren Fall
Für den Gemeindepräsidenten ist es nicht der erste Einsatz dieser Art. Bereits 2023 wurde in Erlen eine Frau tot in einer Wohnung aufgefunden. Ihr Ehemann hatte die Notrufzentrale verständigt und angegeben, sie tödlich verletzt zu haben. Auch damals war Bosshard bei der anschliessenden Durchsuchung als Amtsperson der Gemeinde anwesend.
«Ich war auch damals bei der Durchsuchung dabei», sagt er. Dass sich innerhalb weniger Jahre erneut ein mutmassliches Tötungsdelikt an einer Frau in seiner Gemeinde ereignet hat, beschäftigt ihn. Jeder Fall sei anders. Dennoch blieben die Eindrücke zurück.
Als Gemeindepräsident müsse er in solchen Situationen funktionieren, den Behörden den nötigen Raum lassen und für die Bevölkerung ansprechbar bleiben. Gleichzeitig sei er selbst ein Mensch, dem ein solcher Fall nahegehe. «Man muss versuchen, eine gewisse Distanz zu bewahren», sagt Bosshard. Ganz abschütteln lasse sich das Erlebte jedoch nicht.
Von Desirée Müller